Bür­ger­gut­ach­ten zur öffent­li­chen Mobi­li­tät 2045

Emp­feh­lun­gen aus Ber­li­ner Pla­nungs­zel­len zur öffent­li­chen Mobi­li­tät 2045

Wie soll öffent­li­che Mobi­li­tät in Ber­li­ner Kiezen im Jahr 2045 aus­se­hen? Die­se Fra­ge lässt sich nicht allein durch tech­ni­sche Inno­va­tio­nen, Modell­rech­nun­gen oder ver­kehrs­pla­ne­ri­sche Kon­zep­te beant­wor­ten. Sie berührt grund­le­gen­de Aspek­te urba­ner Lebens­qua­li­tät, sozia­ler Gerech­tig­keit und täg­li­cher Mobi­li­täts­rou­ti­nen. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der For­schungs­cam­pus im Mai 2025 die Per­spek­ti­ven der Ber­li­ner Stadt­ge­sell­schaft in sei­ne For­schung zur zukünf­ti­gen Mobi­li­tät integriert.

Vom 23. bis 25. Mai 2025 fan­den auf dem EUREF-Cam­pus in Ber­lin-Schö­ne­berg zwei For­schungs-Pla­nungs­zel­len unter dem Titel
„Weni­ger Ver­kehr – mehr Mobi­li­tät: Die Zukunft öffent­li­cher Mobi­li­täts­an­ge­bo­te in Ber­li­ner Kiezen“ statt. Ins­ge­samt 47 zufäl­lig aus­ge­wähl­te Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­ner nah­men an dem Ver­fah­ren teil. Die Aus­wahl erfolg­te per Zufalls­stich­pro­be aus dem Mel­de­re­gis­ter, um ein mög­lichst brei­tes Spek­trum an All­tags­er­fah­run­gen, Lebens­la­gen und Sicht­wei­sen abzubilden.

Über­ga­be des Bür­ger­gut­ach­tens “Weni­ger Ver­kehr — Mehr Mobi­li­tät” am 9. Dezem­ber auf dem EUREF-Cam­pus in Berlin.

Pla­nungs­zel­len als eta­blier­tes Beteiligungsformat

Pla­nungs­zel­len sind ein seit Jahr­zehn­ten erprob­tes deli­be­ra­ti­ves Betei­li­gungs­for­mat, bei dem Bür­ge­rin­nen und Bür­ger als „Exper­tin­nen und Exper­ten des All­tags“ in einen struk­tu­rier­ten, mode­rier­ten Arbeits­pro­zess ein­ge­bun­den wer­den. Ziel ist es nicht, Mehr­hei­ten abzu­fra­gen, son­dern fun­dier­te, abge­wo­ge­ne Ein­schät­zun­gen zu ent­wi­ckeln. In einem klar defi­nier­ten Zeit­raum erhal­ten die Teil­neh­men­den fach­li­che Inputs, dis­ku­tie­ren unter­schied­li­che Sze­na­ri­en und ent­wi­ckel­ten die­se weiter.

Für den For­schungs­cam­pus Mobility2Grid sind Pla­nungs­zel­len ein zen­tra­les Instru­ment, um wis­sen­schaft­li­che Pro­jek­tio­nen und Sze­na­ri­en mit geleb­ten All­tags­er­fah­run­gen zu spie­geln. Sie ermög­li­chen es, tech­no­lo­gi­sche und sys­te­mi­sche Zukunfts­bil­der früh­zei­tig auf ihre gesell­schaft­li­che Trag­fä­hig­keit, Akzep­tanz und poten­zi­el­le Ziel­kon­flik­te hin zu überprüfen.

Die durch­ge­führ­ten Pla­nungs­zel­len waren dem The­men­feld Neo-Mobi­li­tät zuge­ord­net, das im For­schungs­cam­pus Sze­na­ri­en zur Mobi­li­täts- und Ener­gie­ent­wick­lung Ber­lins bis 2045 entwickelt.

Ablauf und the­ma­ti­sche Struktur

Über drei auf­ein­an­der­fol­gen­de Tage arbei­te­ten die Teil­neh­men­den in Klein­grup­pen und im Ple­num. Inhalt­lich kon­zen­trier­ten sich die Dis­kus­sio­nen auf vier zen­tra­le The­men­fel­der, die als beson­ders prä­gend für die zukünf­ti­ge Mobi­li­tät Ber­lins iden­ti­fi­ziert wurden:

  • Ver­füg­bar­keit und Zugäng­lich­keit von Mobilitätsoptionen
  • Auto­no­mes Fahren
  • Mikro­mo­bi­li­tät
  • Mobi­li­ty-as-a-Ser­vice (MaaS)

Zu Beginn erhiel­ten die Teil­neh­men­den fach­li­che Ein­ord­nun­gen von Exper­tin­nen und Exper­ten aus der For­schung. Anschlie­ßend stell­te das For­schungs­team der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin je The­men­feld zwei aus­ge­wähl­te Pro­jek­tio­nen vor, die unter­schied­li­che mög­li­che Ent­wick­lungs­pfa­de für das Jahr 2045 beschrie­ben. Die­se Pro­jek­tio­nen dien­ten als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge und wur­den von den Teil­neh­men­den sys­te­ma­tisch ana­ly­siert, bewer­tet und weiterentwickelt.

Die inhalt­li­che Kon­zep­ti­on der Pla­nungs­zel­len erfolg­te durch meh­re­re Fach­ge­bie­te der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Ber­lin, dar­un­ter das Fach­ge­biet Stra­ßen­pla­nung und Stra­ßen­be­trieb sowie die Fach­ge­bie­te Ver­kehrs­sys­tem­pla­nung und Ver­kehrs­te­le­ma­tik und Arbeitslehre/Technik und Par­ti­zi­pa­ti­on. Die neu­tra­le Mode­ra­ti­on und metho­di­sche Beglei­tung über­nahm das nexus Insti­tut für Koope­ra­ti­ons­ma­nage­ment und inter­dis­zi­pli­nä­re For­schung, das über lang­jäh­ri­ge Erfah­rung mit deli­be­ra­ti­ven Betei­li­gungs­ver­fah­ren verfügt.

Bür­ger­gut­ach­ten als Schnitt­stel­le zwi­schen For­schung, Poli­tik und Öffentlichkeit

Die in den Pla­nungs­zel­len erar­bei­te­ten Bewer­tun­gen und Emp­feh­lun­gen wur­den in einem Bür­ger­gut­ach­ten zusam­men­ge­fasst. Die­ses Gut­ach­ten wird dem For­schungs­cam­pus Mobility2Grid, der Fach­öf­fent­lich­keit sowie poli­ti­schen und admi­nis­tra­ti­ven Akteu­ren zur Ver­fü­gung gestellt. Es bil­det eine wich­ti­ge Brü­cke zwi­schen wis­sen­schaft­li­cher Sze­na­ri­en­ent­wick­lung, gesell­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve und zukünf­ti­gen Entscheidungsprozessen.

Das Bür­ger­gut­ach­ten steht hier zum Down­load bereit:

M2G_Bürgergutachten_Planungszelle_Weniger_Verkehr_mehr_Mobilität